Der Wutsozi ist männlich. Nicht immer, aber meist.
Der Wutsozi ist ein echter Sozialdemokrat. Das sagt sein Online-Profil.
Die anderen sind Totengräber der Sozialdemokratie. Das sagen seine Tweets.
Der Wutsozi ordnet ein.

Der Wutsozi hält die SPD-Fahne hoch.
Der Wutsozi würde niemals auf dem Marktplatz etwas schlechtes über die SPD sagen.
Fünf Infostandbesucher müssen öffentlich von der SPD überzeugt werden. „Solidarität zählt“, twittert er vom Infostand an seine 500 Follower.
Der Wutsozi ist medienkompetent.

Der Wutsozi ist online. Er ist 2.0. Immer up to date.
Er kann bei jedem Presseartikel das Versagen der SPD-Oberen erkennen. Er erkennt das SPD-Versagen sogar bei einem Gastartikel von Horst Seehofer.
Bereits nach der Lektüre des ersten Absatzes ist der Wuttweet gegen die Parteispitze verfasst.
Der Wutsozi ist schneller als jeder Bot.

Der Wutsozi ist meinungsstark.
Es geht um die SPD. Morgens, mittags und abends.
Der Wutsozi würde gerne über Erfolge der SPD sprechen. Der Wutsozi spricht nicht über rote faule Äpfel.
Der Wutsozi setzt auf 100%.

Der Wutsozi fordert die Erneuerung der SPD.
Die Erneuerung der SPD bedeutet die Erneuerung der SPD.
Wenn andere in dem unmittelbaren Umfeld des Wutsozis erneuern, dann ist das ein Eingriff in die Basisdemokratie.
Der Wutsozi ist die Basis.

Der Wutsozi ist die Basis und die absolute Mehrheit in Personalunion.
Sagt er.
Und der Wutsozi hat immer recht.

Fünf-Punkte für #SPDErneuern

Diese Glosse ist der zweite Teil der fünfteiligen Artikelserie „Fünf-Punkte für #SPDErneuern“.

Bereits erschienen:

  1. Nicht zeitgemäß: Darum funktioniert die Kommunikation der SPD nicht
  2. Der Wutsozi

Weitere Artikel erscheinen in den kommenden Wochen.

19 Kommentare
      • Avatar
        Max Reinhardt sagte:

        Weiterer Gegenvorschlag:
        Ersetze Wutsozi durch Millionen ehemalige Wähler*innen und hunderttausende ehemalige Mitglieder … Dann wird noch deutlicher, wie sehr Dein Text, lieber Henning Tillmann, ein verhöhnendes Brandmanifest ist. Genauso verhöhnend, wie die Befürworter von Stuttgart 21, die die Demonstrierenden zu Wutbürgern ohne Geist und Verstand reduzierten. Und in Baden-Württemberg sind die Wähler*innen in Scharen zu den Grünen gelaufen. Wer Dein Brandmanifest liest, weiß warum. Er atmet den Geist derer, die null Verständnis für Protest und Kritik haben.

        Du scheinst Dir wie damals die DDR-Führung zu wünschen: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“
        ―Bertolt Brecht
        Quelle:
        nach dem Gedicht: Die Lösung. In: Buckower Elegien, 1953. In: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Dritter Band: Gedichte 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1997. S. 404
        https://gutezitate.com/zitat/159492

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    Hans-Georg Tillmann sagte:

    Was soll das ?
    Kommen wir damit einen Schritt weiter zu Löhnen und Renten, von denen man menschenwürdig leben kann, zu Mieten, die man bezahlen kann, zu einer globalen sozialen Gerechtigkeit oder der Verhinderung der Umweltzerstörung ?

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    • Henning Tillmann
      Henning Tillmann sagte:

      Lieber Hans-Georg,

      ja und nein. Natürlich kommen wir damit nicht „direkt“ weiter. Die SPD muss mehr an ihrem inhaltlichen Profil arbeiten und auch ihre Kommunikationsstrategie überarbeiten (siehe vorherigen Beitrag). Dennoch: die parteiinterne Solidarität ist niedrig, es wird schnell gehackt und gepickt, wenn es um das eigene Personal geht. Das muss besser werden und das muss man auch ansprechen dürfen.

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        Hans-Georg Tillmann sagte:

        Lieber Henning,

        nenn mir doch bitte mal den Obersozi, der verstanden hätte, warum die SPD von 40% auf 13% abgesackt ist und der erfolgreiche Gegenstrategien entwickelt hätte ?
        Unsere Parteiführung hat irgendwie nichts mit den katastrophalen Niederlagen zu tun und übernimmt keine Verantwortung dafür.
        Selbst wenn wir bei der nächsten BT Wahl gerade die 5% Hürde schaffen sollten, werden dieselben Obersozis, abgesichert durch gegenseitig zugeschobene Listenplätze wieder dabei sein und uns vorsäuseln: „Ich weiß gar nicht, wie das geschehen konnte. Wir haben so gute Regierungsarbeit geleistet und hatten so ein tolles Wahlprogramm.“
        Weiter so !

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    Jörg Josef Wohlmann sagte:

    Hier sieht man deutlich, wie Mitglieder des PV auf berechtigte Kritik reagieren. Lieber Henning, nutze deine Energie doch für eine bessere sozialdemokratishe Politik, das überzeugt vielleicht den Bürger/Wähler und verhindert ein zweistelliges Bundesergebnis. Übrigens, im kommunalen Bereich ist die SPD meistens noch gut aufgestellt, woran liegt das denn ? Noch schreibe ich, weil auch hier eine Mitgliederflucht stattfindet, die unsere OV handlungsunfähig hinterlässt. Wieviele Austritte gab es denn seit GrKo-beginn oder Andrea Nahles beginn ? Als PV-Mitglied sind dir diese Zahlen doch bestimmt zugänglich !
    LG
    Jörg Josef

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    • Henning Tillmann
      Henning Tillmann sagte:

      Lieber Jörg Josef,

      ich muss dich enttäuschen: ich bin kein Mitglied des PVs. Ich habe auch kein Amt innerhalb der SPD. Ich war jedoch vier Jahre Mitglied im Ortsvereinsvorstand und von 2005-2009 lokaler Juso-Vorsitzender.

      Viele Grüße
      Henning

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          • Avatar
            Jörg Hamer sagte:

            Nein, wenn Du Mitglied im PV wärest oder sonst ein Amt hättest, wäre es ja keine Tiefstapelei, sondern eine Lüge.
            Von mir aus darfst Du natürlich Kritik üben an wem Du willst, wann Du willst und wie Du willst. Wenn Du mir diesen Beitrag vorher gezeigt hättest, hätte ich wahrscheinlich gesagt: Henning, das ist nicht alles falsch, was Du da schreibst, aber lass mal lieber stecken. Oder finde eine andere Form, Leuten, die sowieso schon angefressen sind bis zum gehtnichtmehr, zu sagen, dass Du sie eigentlich ziemlich dusselig findest.
            Aber wenn Du dir davon was versprichst: Bitteschön!

          • Henning Tillmann
            Henning Tillmann sagte:

            Jörg, ich verstehe deinen Punkt. Vielleicht zum Hintergrund:

            Dieser Beitrag ist Teil einer 5-teiligen Artikelserie. Der erste Artikel handelt von SPD-Kommunikation. Der zweite sollte sich um innerparteiliche Solidarität und den Umgang miteinander drehen. Ich habe dazu zwei Textentwürfe erstellt, die auch so Themen wie die historische Kommission, Maaßen und andere Beispiele enthielten. Irgendwie erschienen mir beide Texte nicht veröffentlichungswürdig.

            Ich habe mich daher im dritten Anlauf dazu entschlossen, das Thema anders anzugehen. Ich kann Leute vollkommen verstehen, die angefressen sind. Es gab schon leichtere Zeiten. Nur: Es geht mir verdammt nochmal auf die Nerven, wie wir miteinander umgehen. Es ist gerade en vogue bei jeder öffentlichen Äußerung eines Parteimitglieds nach oben zu treten (es gab den Reflex übrigens auch von manchen Leuten auch mal andersrum, genau so schlimm, wenn nicht sogar schlimmer). Diesen Reflex wollte ich mit diesem Text ansprechen.

            Dass die Glosse provokant und überspitzt ist, ist mir klar. Die vielen positiven Rückmeldungen, die ich aber meist nicht-öffentlich bekommen habe, zeigen mir, dass ich nicht allein so denke. Ich glaube auch, dass 90% der SPD-Mitglieder keine „Wutsozis“ sind. 10% sind es vielleicht, die sind aber eben auch ziemlich laut.

            Schade eigentlich. Denn man kann sehr viel inhaltlich kritisieren, ohne Wutsozi zu sein. Und ohne Kritik wäre die Partei tot.

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    Richard Greif sagte:

    Es geht sehr vielen Leuten sehr beschissen, die dann in der Zeitung über das wunderbar reiche und fortschrittliche Deutschland lesen dürfen. Und dann können sie hier lesen, daß sie zu alt, zu wenig vielfältig, zu wenig digital, und im Tagesspiegelartikel, zu weiss sind. Super. Mit Deine anvisierten Wählergruppe kannst Du zu den Grünen gehen: denen gefällt sowas.
    Potentielle SPD-Wähler sind arme Weiße, arme Sostige, arme Alte, arme Junge, arme Digitalfreaks, arme Digitalunkundige, ….
    und die Parteiführung macht nur Ergebniskosmetik, aber nichts ernsthaftes, und die Groko war ein Schlag ins Gesicht aller ernsthaften Genossen. Dann darf man sich das Kindergartengetue einer Nahles ansehen, und Du kommst her und sagst: es liegt an der Organisation und an der Zielgruppe. Viel Spaß. Es gab mal den Witz: was hat die SPD mit der Mehrwertsteuer gemein ? 19%, aber das ist auch schon her, jetzt reichts höchstens noch zu einer Bagatellsteuer.

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  4. Avatar
    Desillusionierter Sozi sagte:

    Die Agenda 2010 mit Rente 67 und die weiter ausufernde soziale Ungerechtigkeit hat der SPD das Genick gebrochen. Die Wähler hätten so viele Jahre sehr viel Geduld mit Euch. Keine Partei hat es geschafft, die eigenen Wähler so zu missachten. Und nun wundert Ihr Euch über die Quittung. Die Politiker der SPD hatten auch genug Zeit wieder etwas gerade zu biegen und der Themen sind da viele: ÖPNV zu teuer, alle Themen um die Geburten starken Jahrgänge. Wo ist das erwirtschaftete Geld einer ganzen Generation geblieben? Aber ich muss euch ja nicht alle Themen aufzählen, denn im Herzen wisst Ihr selber, was alles schief gelaufen ist.

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